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On the Road again - Bremen Oldtimer Classics 2019

Bild: Bremen Oldtimer Classics; HDW; Road Trip; Oldtimer Rallye; Meredes-Benz Werk Bremen; W123; C123; Classic Cars, SL; Flachkühler

Bisher nur im Daimler Intranet: On the Road again - Bremen Oldtimer Classics 2019.Deshalb auch hier für alle, die dort keinen Zugriff haben

Quelle: Bild aus Daimler Social Intranet
Quelle: Bild aus Daimler Social Intranet

On the Raod again - Bremen Oldtimer Classics 2019

 

Spaß oder Ernst? Ja, das ist hier die Frage. Ich glaube er meint es ernst und ich muss natürlich nicht zweimal überlegen ob ich zusage: Natürlich komme ich gerne mit. Wahnsinn! Das war doch schon immer mein Traum:  Einmal bei den Bremen Oldtimer Classics mitfahren. Die Rede ist von meinem Kollegen Ralf. Er ist stolzer Besitzer eines Mercedes-Benz C123 und er hat einen Startplatz für die Oldtimer-Rallye in Bremen ergattert. Und gerade eben hat er auch noch einen Beifahrer, oder was sich natürlich besser anhört, einen Co-Piloten gefunden: Nämlich mich. Ich kann mein Glück kaum fassen. Wie oft habe ich schon am Zaun gestanden und die rollenden Schätze beim Start beklatscht?  Jo, und nu geit dat los. Diesmal stehe ich auf der anderen Seite des Zauns. Im Fahrerlager sozusagen. 

 

Bild: HDW-USA; Bremen Oldtimer Classics; On the road again; Mercedes-Benz; Rallye; Oldtimer; Vintage Cars

Das Wetter? Die Sonne gibt ihr bestes und wir erwarten Temperaturen jenseits der 30 Grad. Die Rallye? Keine Ahnung ich bin ja schließlich zum ersten Mal dabei und habe keinen richtigen Schimmer, wie das funktioniert. Auf jeden Fall haben wir eine Startnummer und somit ist schon mal die Reihenfolge geklärt. Also kein Gedrängel wie in der Formel 1 oder so. Hier geht alles ganz locker ab. Denke ich zumindest. Woher sollte ich auch wissen, dass das nicht alle Fahrer oder Fahrerinnen ganz so locker sehen wie ich. Aber dazu später. Wir sind mit die ersten auf dem schönen Bremer Marktplatz und können so das Eintreffen der anderen Teilnehmer erleben. Natürlich ist Mercedes-Benz einer der Sponsoren, ohne die diese Veranstaltung so gar nicht möglich wäre. In diesem Fall sind es das Bremer Werk in Sebaldsbrück und die Mercedes-Benz Niederlassung Bremen. Um die 170 Fahrzeuge sind am Start und weitere 80 wären gerne dabei gewesen, haben es aber nur bis auf die Warteliste geschafft. Gut, ich habe auch über 50 Jahre gewartet, nein, Spaß. Die Rallye gibt es ja erst, oder besser gesagt, schon seit 1998.

 

 Lets go racing

Als wir dann mit „unserem“ 230 CE über die Startrampe ins Rallyeglück rollen, sind bereits 146 Fahrzeuge vor uns unterwegs. Der erste Stopp ist das Weserstadion und wir sind schon mitten drin im ersten Zeitfahren. Toll! Eben war ich noch ganz entspannt und habe die schönen Autos bestaunt und jetzt habe ich in der linken Hand mein Handy zum Kontrollieren der Zeit und in der rechten Hand das Roadbook. Zu allem Überfluss soll ich meinem Piloten auch noch sagen, wo er lang fahren soll. So schwer habe ich mir das Rallyeleben nicht vorgestellt. Warum bloß, hat Ralf denn nicht seine Frau mitgenommen? Wahrscheinlich aus genau diesem Grund. OK, bis zum Weserstadion schaffen wir es gerade noch mit dem Rallyepraktikanten auf dem Beifahrersitz.

 

Mit dem Zeitfahren hat es sich jetzt erst einmal erledigt. Weiter geht es an unserem Bremer Werk vorbei, dann über Oyten und Fischerhude durch die schöne Lüneburger Heide. Das Ziel ist das ADAC Fahrsicherheitszentrum in Lüneburg. Die komplette Route ist im Roadbook hinterlegt und meine Aufgabe besteht darin, den Fahrer auf dem richtigen Weg zum Ziel zu bringen. Navi und GPS sind selbstverständlich außen vor. Würde auch keinen Sinn machen, da wir weder die schnellste, noch die kürzeste Route, sondern schlicht und einfach die schönste Route fahren. Die Seitenscheiben des Coupés sind herunter gekurbelt! und der Fahrtwind frischt den Innenraum angenehm auf.

 

An dieser Stelle: Ein richtig dickes, nein, ein richtig fettes Lob an die Organisatoren. Es ist einfach eine herrliche Strecke und alles ist absolut professionell organisiert. Vielen Dank!

Vor uns fährt der blaue 300D Turbodiesel mit Peter Gagelmann und Klaus Wilmink aus dem Bremer Kundencenter. Hinter uns ist der glückliche Gewinner, der einen Startplatz im Intranet gewonnen hat: Jürgen Heiker arbeitet in der Montageplanung Halle 93 und er hat seine Frau mitgenommen. Im eigenen 200D aus dem Jahre 1972 nehmen sie an der Tour teil.

 

Bild: HDW-USA; Bremen Oldtimer Classics; On the road again; Mercedes-Benz; Rallye; Oldtimer; Vintage Cars
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Die Sache mit dem Überholen

 Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, nach den Anweisungen im Roadbook zu leben. 4 Kilometer hier, 600 Meter da. Mal links, mal rechts, mal geradeaus. Ich sage an und Ralf fährt. Wir kommen durch Orte, von denen wir beide bisher noch nicht wussten, dass es sie gibt. Aber es macht Spaß und es ist total entspannt. Irgendwann fällt mir auf, dass weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist. Ralf muss es auch gemerkt haben, sagt aber (noch) nichts. Ja, und dann ist er auf einmal da: Der Zweifel! Sind wir denn überhaupt noch auf dem richtigen Weg? Wer hat eigentlich den Co-Piloten eingestellt? Doch, er nagt an uns, der Zweifel. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Temperatur im Cockpit steigt. Blödsinn? Hm. Mir wird jedenfalls warm. Der Zweifel, ich kann ihn fast greifen. Doch dann hören wir es, erst ganz leise dann wird es immer lauter und plötzlich zieht er an uns vorbei: Der Morgan mit dem V8 geht ab, als wenn es kein Morgen mehr gibt. Jetzt überholen uns auch noch die anderen: Porsche, Maserati, ja und auch andere Mercedes. Ich meine, wir sind nicht direkt langsam, aber die anderen sind einfach etwas schneller. Natürlich alles im Rahmen der Straßenverkehrsordnung, Ehrensache. Doch am Ende des Tages kann man es drehen und wenden wie man will: Sie haben uns überholt. Wer hat eigentlich den Piloten eingestellt?

 

Egal, weiter geht’s. An diesem Ende der Welt gibt es anscheinend viele T-Kreuzungen. Ralf und ich lieben sie. Es geht entweder links oder rechts. Das macht die Sache einfach. Problematisch wird es erst, als die ganze Rallye-Meute, die uns eben noch so sportlich überholt hat, am nächsten T rechts abbiegt. Mein Roadbook sagt aber unmissverständlich: Links rum Baby. Ralf und ich schauen uns an. Unsere noch recht frische Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt: Folgen wir den ganzen Rallyeprofis oder fahren wir als einzige den anderen Weg? Nur, um dann am Ende falsch zu liegen und uns als die Oberpraktikanten zu outen? Wir grinsen uns an und fahren als einziges Auto links herum. Irgendwann kommt das nächste Schild und wir haben die Bestätigung: Wir sind richtig! Yes Baby, läuft. Jetzt sind wir wieder ganz allein. Doch irgendwann haben auch die Profis gemerkt, dass links rum, eben auch links rum heißt. Genau, es geht wieder wie gehabt, Morgan, Porsche, Maserati, die anderen Mercedes. Brum, brum brum. Sie fahren vorbei, wir fahren entspannt weiter. Bis zum nächsten T…! Ach, und der blaue Mercedes Kombi kommt mir doch auch irgendwie bekannt vor.

 

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ADAC Fahrsicherheitszentrum Lüneburg

 Hier auf dem riesigen Gelände gibt es wieder ein Zeitfahren. Eigentlich ganz einfach und dann doch schwieriger als gedacht. Häh? Na ja, es geht bergauf und bergab. Ralf hat alle Hände und Augen voll zu tun, um auf der Strecke zu bleiben, obwohl wir nur eine Durchschnittszeit von 39 Km/h, oder so, fahren müssen. Es geht eben nicht darum wer der schnellste ist, sondern, wer die vorgegebene Zeit exakt einhält. Und das ist dann doch nicht so einfach. Ich glaube Ralf rechnet sich hier was aus. Irgendwann werde ich ihm sagen müssen, dass wir gar keinen Transponder bekommen haben und deshalb wohl auch nicht zeitmäßig erfasst werden können. Aber das hat Zeit für später. Ich möchte unsere jetzt so gute Beiziehung nicht schon wieder einer derart harten Prüfung unterziehen.

 

Nun gibt es erst einmal Mittagsbuffet und wir genießen das Sitzen auf richtigen Stühlen. Klar, die Mercedes-Oldtimer sind für ihr Alter ganz schön komfortabel (was bestimmt nicht alle von ihren Oldies behaupten können), aber so eine Abwechslung tut doch ganz gut. Langsam bekomme ich auch kalte Füße, was die Story anbelangt, die ich ja versprochen habe zu schreiben. Es ist halt einfach nur ein richtig toller, entspannter Tag. Worüber soll ich eigentlich berichten? Peter meint, die Sache mit dem Jaguar, der gleich am Anfang den kompletten Auspuff auf der Rampe abgerissen hat, das wäre doch was. So nach dem Motto: Ist halt kein Mercedes. Ja, das war schon ein Bild. Aber Häme ist hier überhaupt nicht angesagt, ganz im Gegenteil. Es kann sich wohl jeder gut vorstellen, wie der Fahrer sich fühlt, wenn er frohgelaunt die Startrampe zur Rallye hochfährt und sein kompletter Auspuff einfach beschließt in Bremen zu bleiben.

 

Dann geht es zurück nach Bremen. Im Mercedes-Benz Kundencenter warten das letzte Zeitfahren und eine Kaffeepause auf uns. Selbstverständlich geht wieder alles genau nach Roadbook. Mittlerweile könnte ich ohne dieses Buch nirgendwo mehr hinfahren. Ich will jetzt ja nicht angeben (klar will ich das), aber wir haben uns auf der ganzen ca. 300 Kilometer langen Strecke, nur einmal kurz verfahren: ganze fünf Meter musste Ralf zurücksetzen, weil ich das Schild zum Abbiegen zu spät gesehen habe (also doch Angeber). Ach, was soll‘s, ich bin zufrieden.

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Mein persönlicher Star

Ich glaube einige der Leser kennen meine Vorlieben: Mercedes-Benz und Amerika. Wenn mir also ein schöner Stern über den Weg läuft und dieser auch noch aus den USA kommt, dann bin ich einfach hin und weg. Auf dieser Rallye hat es mir dieses blaue Cabrio angetan: Ein 71er 280SE mit dem 3,5 Liter Motor. In  Fachkreisen „Flachkühler“ genannt. Der Grund: Die Amis wollten damals den 6 Zylinder nicht haben und so wurde eben von Mercedes ein V8 eingebaut. Da passte dann der Kühler nicht mehr so richtig rein und wurde entsprechend flachgelegt. Deshalb der Name: Flachkühler. Der Besitzer Frank Bittkow hat den Wagen in einem Fachbetrieb in Oldenburg restaurieren lassen. Hierbei wurden u.a. die USA-Seitenblinker zugeschweißt. Der Motor ist original geblieben! Hier wurde nichts verändert. Stichwort: Matching numbers. Die Arbeiten haben sich über zwei Jahre hingezogen und das Ergebnis ist einfach umwerfend. Die glücklichen Fahrer hatten auf jeden Fall ein nicht alltägliches Fahrzeug dabei, welches einst im US-Bundesstaat New Jersey zuhause war.

 

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Der 280 SE mit Patrick Tscheslog und Felix Bittkow
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Bilder: Patrick Tscheslog

Mercedes-Benz Werk Bremen

 Jetzt sind wir zuhause: Ralf und ich sind beide seit über 30 Jahren im Werk und genießen unser Heimspiel. Ein Blick zu unseren Kollegen im Kombi und im 200D sagt mir: Auch die freuen sich. Zum Zeitfahren geht es auf die Einfahrbahn und alle haben die Gelegenheit, die ganze Pracht der Oldtimer noch einmal zu bewundern. In der Steilkurve verlässt dann doch den einen oder anderen Fahrer etwas der Mut. Kein Wunder, wann kommt man denn schon mal mit seinem Schätzchen (also dem Auto meine ich) in so eine Schräglage?

Im Kundencenter ist die Kaffeetafel gedeckt und unsere Bremer Autos sind selbstverständlich auch dabei. Schön aufgereiht, glänzen sie um die Wette. Wo die wohl lackiert worden sind? Ich freue mich immer, wenn ich hier im Kundencenter bin, wo die neuen Fahrzeuge ihren zukünftigen Besitzern übergeben werden. Einfach klasse. Da schließt sich dann für mich irgendwie so ein Kreis. Aber das nur nebenbei.

Bei den Kolleginnen und Kollegen aus dem Kundencenter und der Werkfeuerwehr, die hier alles so klasse organisiert und aufgebaut haben, ist Ralf natürlich bestens bekannt. Eigentlich ist es viel zu schade schon wieder aufzubrechen. Wir könnten in der kühlen Halle gerne noch länger bleiben, aber unser Wagen, ja der rollt seinem letzten offiziellen Ziel entgegen. Das Roadbook lasse ich diesmal stecken (ist ja gleich um die Ecke) und prompt kommen wir von der falschen Seite zur Einfahrt der Niederlassung. Alle anderen Autos kommen uns entgegen. Anfängerfehler.

 

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Mercedes-Benz Niederlassung

Da wir bei der Rallye nicht so auf das Gewicht schauen mussten (sonst wäre ich wohl auch kaum Co-Pilot geworden), hatte ich am Morgen so einiges eingepackt. Doch die Kühlbox steht fast unangetastet im Kofferraum. Es war halt kein Ausflug zum Picknick und außerdem sind wir unterwegs perfekt versorgt worden.

In der Niederlassung kommt es dann noch mal ganz dicke. Alle Achtung. Draußen werden die Teilnehmerautos platziert und drinnen, na klar, die Fahrerinnen und Fahrer. Eine große Bühne, festlich gedeckte Tische und ein Buffet vom Feinsten runden diesen klasse Tag ab. Die wirklich coolen Moderatoren, allen voran Frau Sörensen in ihren Outfits, sind schon ne tolle Show. Es gibt jetzt noch diverse Preise, aber irgendwie sind wir nicht dabei. Das kann ich zwar erst nicht so ganz verstehen, aber dann wird mir klar: Den Preis für das Beste Team müssen wir uns schon selbst geben.

 

Lets go racing

 Hans-Dieter Wuttke (HDW)

 

Bild: HDW-USA; Bremen Oldtimer Classics; On the road again; Mercedes-Benz; Rallye; Oldtimer; Vintage Cars

New York City 2018


California 2017

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Bodie Ghost Town
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Bild: HDW USA, Road Trip, America, Death Valley, Badwater, California
Badwater, Death Valley, USA: Sun is shining...

Badwater California

Der tiefste Punkt in Nordamerika: Badwater im Death Valley kann im Sommer ganz schön heiß sein. Dann macht so ein kleiner Spaziergang absolut keinen Spaß mehr. Aber im November kann man ganz entspannt diese irre Landschaft geniessen!

 

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Unbezahlbar: Dieser Blick auf die Golden Gate Bridge ist einfach der Wahnsinn!
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Breakfast in America: Thank you, Uschi and Georg!
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Good Morning Nevada!

Bild: Aloha, Hawaii Five-O, HDW, USA, Road Trip, America, Waikiki Beach, Honolulu

Hawaii Five-O geht weiter

Und für alle die schon nicht mehr daran geglaubt haben: Tatsächlich ist jetzt auch Teil 13 der legendären Geschichte online. Auf geht es zum Diamond Heat Crater!



Hier geht es nach Hawaii
Hier geht es nach Hawaii

Mercedes-Benz of Miami

Bild: Mercedes-Benz of Miami, HDW, USA, Florida

Mercedes-Benz of Miami

Mein Opa hat immer gesagt: „Da wo es schön grün ist, da regnet es auch oft.“ Jetzt will ich meinem Opa natürlich nicht widersprechen und schließlich war er ja auch noch nie in Florida, aber ich sehe immer nur Sonne und strahlend blauen Himmel. Ja, und es ist grün und heiß, sehr heiß. Florida eben. Aber Regen? Keine Spur.

 

Thunderstorm

Doch heute Morgen ist alles anders. In bin im Hotel beim Frühstück und auf dem TV-Bildschirm erscheint eine fesche Lady. Mit einem strahlenden Lächeln sagt sie für heute einen Thunderstorm vorher. Nein, nicht einfach nur Regen, sondern einen ausgewachsenen Thunderstorm. Doch da lasse ich mich nicht bluffen. Wir sind hier nicht in der Eifel oder in Norddeutschland, sondern in Florida. Dem Sunshine State! Manchmal sehe ich zwar ein paar dicke, dunkle Wolken, aber wenn ich nochmal hinschaue, sind sie weg und die Sonne strahlt vom blue sky. Also: Nicht mit mir meine Dame, mir jagst du keine Angst ein, mit deinem Donnersturm. Ich fahre offen und ich habe auch noch ein ganz besonderes Ziel: Mercedes-Benz of Miami! Ich meine, wie das schon klingt? Ist das nicht richtiger Sound in den Ohren? Da muss doch jedem, der den Stern im Herzen trägt, ganz warm werden, oder? Nochmal zum Mithören: Mercedes-Benz of Miami! Na gut, entweder ihr versteht mich, oder eben nicht. Dann halt weiter im Text.

 

Bild: Mercedes-Benz of Miami, USA, HDW, Florida

Biker

Auf jeden Fall cruise ich bei strahlendem Sonnenschein auf den Highway und werde gleich von einer Gruppe Harley-Fahrern überholt. Die haben sich anscheinend extra fein gemacht. Oder sind das Polizisten in Sonntagsuniform? So wie damals Bud Spencer und Terence Hill mit weißem Hemd und beiger Hose. Dazu die langen schwarzen Lederstiefel. Das sieht natürlich edel aus und einige Autofahrer bremsen auch gleich richtig heftig ab, um die coolen Biker zu bewundern. Oder gibt es noch einen anderen Grund? Oh, oh, vor mir sehe ich dicke, dunkle Wolken und weitere Wagen bremsen ab. OK, ich habe verstanden. Das war diesmal kein Bluff, die schicke Lady im Fernsehen hatte wohl doch Recht. Heute gibt es richtig was auf die Mütze. Meine Sonntagsuniformharleybiker haben auch schon auf dem Pannenstreifen angehalten und fummeln ganz hektisch an ihren Packtaschen rum. Ich glaube nicht, dass ihnen das viel helfen wird, denn in diesem Augenblick kommt es schon ganz dicke: Thunderstorm!

 

Bild: Mercedes-Benz of Miami, USA, HDW, Florida

Mercedes-Benz of Miami

Aber ich brauche nicht in das Unwetter hineinzufahren, denn meine Abfahrt zur Niederlassung von Mercedes-Benz of Miami liegt bereits direkt vor mir. Gerade als ich auf das Gelände biege fängt es auch hier an zu regnen und ich mache schnell das Dach zu. Das nenne ich Timing! Jetzt aber hopp, hopp. Stilecht, mit Sonnenbrille (trotz Regen), kurzer Hose und Flip-Flops laufe ich durch die automatischen Eingangstüren, während hinter mir die Welt unterzugehen scheint. Die Sonnenbrille brauche ich jetzt zwar nicht mehr, aber in Florida hat ja jeder so´n Ding dabei. Also. Doch zurück zur Niederlassung. Hier drinnen bin ich erst einmal in einem anderen Universum. Nein, da hängen nicht zwei lässige Verkäufer am Tresen der Empfangsdame, weil gerade nichts zu tun ist, das ist hier schon etliche Nummern größer. Auf dem Gelände sind, grob geschätzt, ein paar hundert Autos. Eher mehr. Und Verkäufer rennen hier rum, bestimmt an die zwanzig. Da hat mich auch schon einer entdeckt und kommt freudestrahlend auf mich zu. Ich stelle mich kurz als Mercedes-Touri aus Good old Germany vor und mein neuer Kumpel ist ganz begeistert. Er heißt Chris ist Salesmanager und sein Begleiter, er sieht eher aus wie sein Bodyguard, soll mich herumführen und mir beim Fotografieren helfen. OK, warum nicht. Chris will solange mal schnell einen Nummernschildrahmen für mich holen. Klasse, das klappt hier ja fantastisch. Die Stimmung ist für so einen frühen Samstagmorgen auch hervorragend. Coole, ganz schön laute Musik, und alle scheinen gut drauf zu sein. In einem der Glasbüros, tanzt sogar eine Dame vor dem Schreibtisch. Ihre Kollegen lachen. Ich kneife mich mal unauffällig in den Arm. Nee, alles klar, kein Traum.

 

Bild: Mercedes-Benz of Miami, USA, HDW, Daimler, Florida
Bild: Mercedes-Benz of Miami, HDW, USA, Florida. G-Model

Dann sind sie einfach weg

Ich bin so gefangen in dieser etwas anderen Welt, dass ich gar nicht mitbekommen habe, wie sich mein Bodyguard und neuerdings auch Fotografierhelfer, abgeschwanzt hat. Auch von Chris meinem Salesmanager und Nummernschildverstärker-Beschaffer fehlt jede Spur. Jetzt bin ich doch etwas enttäuscht. Aber vielleicht haben die Jungs auch irgendwo „schweres Geschäft“ und das geht schließlich vor. Der Rubel, in diesem Fall der Dollar, muss schließlich rollen, ist doch klar. Wenn die Kollegen hier keine Autos verkaufen würden, bräuchten wir keine Wagen zu bauen und das wäre schlecht. Mal so ganz platt formuliert. In der riesigen Ausstellungshalle stehen nicht nur Mercedes, nein, auch ein paar hochwertige Renner anderer Marken sind vertreten.

 

Bild: Mercedes-Benz of Miami, USA, Florida, HDW

José

Ich fotografiere gerade ein Maserati Cabrio, als ich wieder angesprochen werde. „Der frühere Besitzer fährt jetzt einen SL 63 AMG“, sagt eine freundliche Stimme hinter mir und ich glaube schon, in das Gesicht von Chris oder dem Bodyguard zu blicken, wenn ich mich umdrehe. Doch weit gefehlt, jetzt lerne ich schon den dritten Mitarbeiter von Mercedes-Benz of Miami kennen. Laut Namensschild habe ich es gegenwärtig mit José zu tun. Er kommt näher und fragt mich, was er für mich tun kann. Na gut, wenn er unbedingt möchte, kann er mir gerne eine Nummernschildverstärkung holen. „Klar, kein Problem, dürfen es auch zwei sein? Und noch Schrauben dazu“? „Äh, nein danke. Keine Schrauben, aber die Rahmen wären klasse. Thanks José!“ Er grinst und verschwindet in den Weiten der hinteren Räumlichkeiten. Nicht, das es da ein schwarzes Loch gibt und ich meine gerade erst begonnene neue Freundschaft mit José auch noch zu den Akten von Chris und dem Bodyguard legen muss. Aber meine Angst ist unbegründet.

 

Friends

My new friend kommt mit den Rahmen zurück und überreicht sie mir so feierlich, als wären es die Schlüssel zu einem neuen Mercedes. Ich bin gerührt und weil José so freundlich zu mir ist, bitte ich ihn einen Augenblick zu warten. Ich renne durch den Regen zu meinem Auto und hole ein kleines Geschenk für ihn. Für solche Fälle habe ich doch noch etwas aus alten Armeebeständen: Einen Mercedes-Kalender aus Deutschland! Nochmal zurück durch den warmen Regen und schön darauf achten, dass das empfindliche Geschenk nicht nass wird. José blickt mich erwartungsvoll an und ich versuche ihm den Kalender mit ebenso viel Würde zu überreichen, wie er es mir vorgemacht hat. Es scheint zu klappen und José ist total von den Socken. Dann liegen wir uns wie zwei ganz alte Freunde in den Armen und können unsere Tränen nicht mehr zurück halten. Na ja, vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber bevor José mich jetzt für heute Abend zum Essen einlädt, um mich seiner ganzen Familie vorzustellen, verabschiede ich mich aus „meiner“ Niederlassung von Mercedes-Benz of Miami!

 

Sun ist shining

Der Regen hat noch einmal zugelegt und zurück im Auto wechsele ich erst einmal mein nasses T-Shirt. Es regnet immer noch und so lege ich meine Füße auf das Armaturenbrett und freue mich über meine neuen Nummernschildrahmen. Aber das ist erst der Anfang. Ich habe noch ein paar Touren in Florida geplant und wenn mir unterwegs eine Mercedes-Benz Niederlassung über den Weg läuft, werde ich mit Sicherheit mal kurz reinschauen. Auf dem Highway werden gerade die Autos per Abschleppwagen entfernt, die den Thunderstorm nicht so gut überstanden haben wie ich. Dann kommt die Sonne wieder raus und tut so, als wäre nichts gewesen.

 

Welcome to Miami

Hans-Dieter Wuttke (HDW)

www.hdw-usa.de